Johannes Paul II. – 750. Jahrestag des Todes von Sankt Klara von Assisi (2003): die Klarasische Mariologie

Die Apostolische Schrift von Papst Johannes Paul II. an den Bischof von Assisi zum 750. Jahrestag des Todes von Sankt Klara von Assisi vom 9. August 2003 enthält eine der besten Syntheseen des Lehramts über die Mariologie franziskanischen Ursprungs. Text im Enchiridion Vaticanum Band 22 (2003-2004), Para. 603-605+.

SammlungEnchiridion Vaticanum Band 22, Para. 603-605
PapstJohannes Paul II.
DokumentApostolische Schrift vom 11. August 1253 an den Bischof von Assisi
Datum9. August 2003
Jubiläum gefeiert750 Jahre Tod von Sankt Klara von Assisi (11. August 1253)

Italienischer Text: Maria in der Spiritualität Klaras

Die Gestalt Mariens begleitete den vocationsbezogenen Weg der Heiligen von Assisi bis zum Ende ihres Lebens. Nach einer bedeutenden Zeugenaussage im Kanonisierungsprozess näherte sich die Muttergottheit am Bett sterbender Klara, beugte sich über sie und legte ihr Gesicht auf sie, deren Leben ein strahlendes Bild ihrer selbst gewesen war.

Portugiesische Übersetzung

Die Gestalt Marias begleitete den beruflichen Weg der Heiligen von Assisi bis zum Ende ihres Lebens. Laut einer bedeutenden Aussage im Kanonisationsprozess näherte sich die Gottesmutter dem Sterbebett Claras und neigte ihr Antlitz über sie, deren Leben ein strahlendes Abbild des Ihren gewesen war.

Zitat von Klara über Maria

Italienisch (Zitat von Klara): «Tal e così grande Signore – anotava – scendendo nel seno della Vergine, volle apparire nel mondo come uomo spregevole, bisognoso e povero, affinché gli uomini – che erano poverissimi e indigenti, affamati per la eccessiva penuria del nutrimento celeste – lo accoltassero nel piccolo claustro del suo santo seno e lo portassero nel suo grembo verginale» (3 Lettera ad Agnese di Praga, 18-19).

Portugiesisch: «Tão grande Senhor, anotava Clara, descendo ao seio da Virgem, quis aparecer no mundo como homem desprezível, necessitado e pobre, para que os homens, que eram pobríssimos e indigentes, famintos pela excessiva penúria do alimento celeste, O acolhessem no pequeno claustro do seu santo seio e O levassem no seu seio virginal» (3 Carta a Inês de Praga, 18-19).

Mariologie der «höchsten Armut»

Die Mariologie von Klara ordnet sich um die «höchste Armut»:

  1. Maria als Modell der Armut: Die Jungfrau, die den Sohn Gottes in ihrem Schoß empfing, war selbst arm. Laut Klara geht Maria vor den Armen auf dem Weg der freiwilligen Demut Christi.
  2. Das «kleine Kloster» im Keuschheitsseiten der Jungfrau: Ein tief franziskanisches Bild, das Schoß der Jungfrau als erstes «Kloster», in dem sich das Wort Gott freiwillig eingeschlossen hat.
  3. Besuch der Muttergottheit am Sterbebett von Klara: Die Zeugenaussage im Kanonisierungsprozess. Maria kam zum Bett Klaras, um zu zeigen, dass ihr ganzes Leben «eine strahlende Abbildung ihrer Selbst» gewesen war.

Verbindung mit Franz von Assisi und der franziskanischen Mariologie

Franz von Assisi und Klara entwickelten gemeinsam eine Mariologie der Entleerung, Maria als Modell der freiwilligen Demut Christi. Drei Merkmale:

  • Armut: Maria toleriert nicht nur, sondern wählt die Armut als angemessene Bedingung für die Mutter des armen Sohnes Gottes.
  • Keuschheit: Die Keuschheit Marias steht nicht im Widerspruch zur Mutterschaft; sie ist ihre vollkommenste Verfassung.
  • Spirituelle Mutterschaft: Maria wird durch den Sohn, der der „Christ der Armen“ ist, zur spirituellen Mutter aller Armen.

Erbe

Die franziskanische Mariologie von Sankt Franziskus und Santa Clara, die im 13. Jahrhundert entwickelt wurde, vorwegnimmt mehrere Themen, die im zeitgenössischen Marianum zentralen Platz einnehmen:

  • Maria in Solidarität mit den Armen, aufgegriffen vom Papst Franziskus in Evangelii Gaudium
  • Maria, Mutter der Barmherzigkeit, wiederaufgenommen von Benedikt XVI. in Deus Caritas Est
  • Maria als Vorbild der geweihten Keuschheit, weiterentwickelt in Vita Consecrata

Weiterführende Lektüre

Heilige mit tiefer Mariologie | Redemptoris Mater | Vita Consecrata | Evangelii Gaudium

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